Disziplin

Mit den Begriffen Disziplin bzw. Selbstdisziplin habe ich mich lange schwer getan. Manchmal habe ich Disziplin als nützliches Werkzeug angesehen um Ziele zu erreichen, manchmal als einen Weg um mich von mir selbst zu entfernen.

Wie nützlich Disziplin als Werkzeug ist, zeigt die Dunedin-Studie. Was ich bei manchen sehr disziplinierten Menschen beobachte passt aber nicht dazu. Oft erscheinen mir gerade sehr disziplinierte Menschen nicht als besonders glücklich.

Vielleicht täusche ich mich, vielleicht ist aber auch das, was manchmal als Disziplin erscheint, tatsächlich die Gabe sich das richtige Ziel zu setzen und den passenden Weg zu finden und in anderen Fällen der Fluch unbeirrt ein falsches Ziel zu verfolgen oder einen falschen Weg zu gehen.

Um das zu tun, was wir gerne möchten, braucht es keine Disziplin. Nun können wir nicht immer das tun, was wir gerade gerne tun, aber um zeitlich begrenzt auch mal etwas anderes zu tun brauchen wir auch noch keine Disziplin.

Wenn uns ein Ziel wirklich wichtig ist, dann bringen wir gerne die „Opfer“, die zu dessen Erreichung notwendig sind – und empfinden diese nicht als solche.

Disziplin ist dann notwendig, wenn Weg und Ziel nicht übereinstimmen. Sich mit Disziplin dazu zu bringen, den Weg trotzdem zu gehen ist nur eine Möglichkeit. Eine andere Möglichkeit ist einen Weg zu suchen, den man gerne geht. Falls es einen solchen Weg für das eine Ziel nicht gibt, kann man immer noch nach einem anderen Ziel suchen, für das es solch einen Weg gibt.

Mir gefällt die Vorstellung, dass es immer Ziele gibt, zu denen es Wege gibt, die ich gerne gehe.

Wenn ich mir heute wieder mal etwas mehr Disziplin wünsche, dann frage ich mich erst mal ob es einen besseren Weg oder ein besseres Ziel gibt.

Schnelles Denken, langsames Denken – Daniel Kahneman

Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahneman war für mich ein Füllhorn an Denkanstößen und Erkenntnissen.

Das eigentliche Thema ist „Verhaltensökonomik“ (menschliches Verhalten in wirtschaftlichen Situationen). Vieles davon hatte ich schon aus anderer Quelle gehört oder ist bereits in unser Allgemeinwissen eingeflossen. Auch wenn man das Buch nur unter diesem Gesichtspunkt liest, dann ist es sicher schon sehr wertvoll.

Für mich geht das Buch weit darüber hinaus und erklärt viele Aspekte menschlichen Verhaltens ganz allgemein.

Ich habe beim Lesen sehr viel über mich selbst gelernt und vieles verstanden, was mir vorher – an mir selbst und anderen – merkwürdig erschien.

Genau diesen Mehrwert konnte ich in anderen Büchern – die mir teilweise wie Zusammenfassungen erschienen – nicht wiederfinden.